Der Ukraine-Krieg und Faktenchecks am Beispiel der New York Times

Der Ukraine-Krieg und Faktenchecks am Beispiel der New York Times

Auch im Ukraine-Krieg gehört Desinformation zu den Strategien der beteiligten Parteien. Aus diesem Grund vertrauen grosse Nachrichtenquellen wie die New York Times nur ihren eigenen Reporter und Spezialistenteams, wenn es um die Verifizierung von Aussagen geht.

Mit dem russischen Luftangriff auf ein Ausbildungszentrum der ukrainischen Armee nahe der polnischen Grenze wurde die Frage laut, was passieren würde, wenn es beim Ukrainie-Krieg zu Einschlägen auf mit der NATO verbundene Staaten gäbe. Wann ist ein Angriff auch ein Akt für den Bündnisfall der Verteidigungsorganisation? Nicht zuletzt würde eine Bewertung von der sorgfältigen Analyse der Fakten abhängen. Zahlen über Angriffe, Verletzte oder Tote von den Konfliktparteien selbst, werden von professionellen Nachrichten nicht einfach übernommen, sondern durchlaufen einen Prozess der Verifizierung der Information. Wie viele andere auch, hat die New York Times die Arbeit ihrer hochspezialisierten Teams schon seit langer Zeit sehr transparent gemacht, um das Vertrauen in ihre Arbeit zu stärken.

In einem eigenen Bereich stellt die Grand Dame der Nachrichten in New York einer interessierten Leserschaft das Visual Investigations Team anhand aktueller Arbeitsproben vor. Tatsächlich hat die NYT auch im Fallen des russisch-ukrainischen Krieges eine Vielzahl von Reportern, Fotografen, Videographen, Audio Journalisten, Autoren und andere Spezialsten für die Berichterstattung teilweise vor Ort oder auch remote im Einsatz. Sich selbst von den Fakten in der Ukraine an den Orten des Geschehens zu überzeugen gehört dazu zur notwendigen Routine. Das das unter Umständen auch lebensgefährlich ist, zeigt die Tötung des amerikanischen Journalisten Brent Renaud, der für Time in einem Vorort der Hauptstadt Kiev recherchierte und dabei ums Leben kam.

Das Investigativteam kann bei der Verifizierung von Meldungen auf viele hunderte Satellitenbilder, Fotos und Videos über Truppenbewegungen zugreifen, um Artikel über Kriegsgreuel und -verbrechen mit Fakten unterlegen zu können. Gerade Social Media wird dabei von vermeintlichen Augenzeugen als Medium zur Verbreitung genutzt, verlangt aber besonders viel Sorgfalt bei der Überprüfung. Auch forensische Werkzeuge kommen dabei zum Einsatz um zu kontrollieren, ob das Bildmaterial eventuell sogar manipuliert wurde. In der Regel wird versucht anhand der Bildinformationen und die Triangulation mit anderen bekannten Bildern aus bestimmten Regionen, den tatsächlichen Ort zu triangulieren. In akuten Zeiten der Berichterstattung ist das dann auch mal 24/7 Arbeit für geographisch verteilte Teams, die ihre Arbeit zeitlich versetzt koordinieren müssen.

Quellen: https://www.nytimes.com/2022/03/11/world/europe/ukraine-war-journalism.html und https://www.nytimes.com/spotlight/visual-investigations