Wie Medien und Wirtschaft Desinformation und Fake News mit finanzieren

Wie Medien und Wirtschaft Desinformation und Fake News mit finanzieren

Die Diskussion über Fake News und Desinformation hat nicht erst seit Corona Fahrt aufgenommen. Was die wenigsten aber wissen, Wirtschaft und Medien finanzieren Fake News und Desinformation über Werbeschaltungen und Werbung mit und halten sie so am Leben.

Fake News und Desinformation finanzieren sich über Werbung

Auch Fake News Sites und Desinformation finanziert sich meist über Werbung. Wer sich auf den einschlägigen Plattformen umsieht, findet schnell reichlich Belege dafür. Und die Verbreiter falscher Information und alternativer Ansichten werden nicht weniger. Inzwischen tragen alleine schon mindestens 500 Websites zu falschen Informationen rund um Covid-19 bei. Das hat das Bayerische Fernsehen von den Faktenchecker von NewsGuard erfahren. Dass wir uns seit zwei Jahren mit der Pandemie beschäftigen müssen, hat das Problem offensichtlich eher verschärft. Mit der erhöhten medialen Aufmerksamkeit kommen immer noch mehr Quellen hin. Das Phänomen nimmt nicht einfach ab.

Bisher weniger im Fokus standen die Business Modelle, sprich die Möglichkeiten, die Fake News und Desinformation nutzen um sich zu finanzieren. Das erstaunliche ist, dass es ihnen gelungen ist, die Wirtschaft und die Medien selbst zu nutzen, um ihre Finanzierung aufzubauen. Durch Programmatic Advertising findet sich die Werbung auch bekannter Marken auf den entsprechenden Internetseiten. Die Regeln der Adserver der Anbieter führen keine Faktenchecks durch. Da die Inhalte im Unterschied zu Pornoseiten nicht eindeutig für Maschinen «lesbar» sind, wird auch nicht technisch blockiert. Filterregeln können nicht greifen, um die dort veröffentlichten Texte auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Lösbar wäre das Problem nur über manuelle Regelungen und Einstellungen wie z.B. Whitelisting, die auf den Angaben von Faktencheckern beruhen würden.

Die Verantwortung von Medien und der Wirtschaft

Es geht aber nicht nur um die Werbung auf den Desinformations-Webseiten. Die Geschäftsmodelle der meisten Medienportale wie Bloomberg News und andere sehen Bereiche auf ihren Seiten vor, die sie für Content Marketing und Partner wie Taboola oder Outbrain reservieren. Dadurch können die Medien weitere Werbeerträge mit den eigenen Assets, den Plätzen auf ihren Webseiten, erlösen. Die Plätze werden dann meist mit kontextaffinem Content bespielt, da der die Clickzahlen nach oben treibt. Die redaktionellen Beiträge auf den bekannten Nachrichtenportalen, die mit «Anzeige» gekennzeichnet werden müssen, können wie in einem vom Autor dieses Artikels beobachteten Fall von alternativen Medien kommen oder einschlägig als Desinformationssites bekannten Nachrichtenportalen.

Für die Medien und für die Wirtschaft erfordert das eine besondere Umsicht, wenn es um die Freigabe ihrer Assets, der Werbeträger auf entsprechenden Websites oder der Werbeplätze auf dem eigenen Portal geht. Es liegt in der Eigenverantwortung der Betroffenen hier aktiv zu werden. Es sind aber sicher mitnichten nur die Grossen am Markt, wie Google, Facebook & Co. die hier in die Verantwortung gehen müssen.

Quellen und zum Weiterlesen:

BR: https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/wie-unternehmen-ungewollt-corona-desinformation-befoerdern

Horizont.at: https://www.horizont.at/digital/news/dezember-fazit-fake-news-finanzierung-durch-a1-und-co.-87048

Wirtschaftswoche: https://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/werbesprech-ministerien-finanzieren-hate-und-fake-news/27153074-2.html