Konzernverantwortungsinitiative, wenn die Leitkampagne lügt

Konzernverantwortungsinitiative, wenn die Leitkampagne lügt

Gregory Remez, Stv. Ressortleiter Wirtschaft, von der Luzerner Zeitung versucht eine Einordnung. Die Kampagne der KVI zeigt ein trauriges peruanisches Kind vor dem Hintergrund einer Glencore-Mine. Dem Unternehmen wird vorgeworfen an der Vergiftung der Böden in der Region ursächlich schuld zu sein. Doch die Behauptung ist falsch. Ein Grund die Initiative abzulehnen?

Die NZZ hat die Argumente der Initiative überprüft. Die Behauptung der KVI der Konzern trage die alleinige Verantwortung scheitert an den Fakten: Die Zinkmine wurde 2012 stillgelegt und Glencore hatte sie erst 2017 übernommen. Die heutigen Probleme beruhen damit tatsächlich auf Fehlern der Vergangenheit, die Glencore nicht ursächlich zu verantworten hat. Dennoch, wer kauft übernimmt auch Altlasten. Kein Unternehmen kann sich in diesem Fall herausreden. Durch die falsche Behauptung der Kampagne tritt das eigentliche Problem, um das es doch gehen sollte, in den Hintergrund. Wie soll man einer Initiative glauben, die schon in ihrer Leitkampagne einen groben Fehler macht?

Dennoch ist die Frage legitim: Wie viel Verantwortung tragen Konzerne für Versagen in ihrer Wertschöpfungskette? Die Überwachung von vor- oder nachgelagerten Bereichen im Wirtschaftsprozess ist oft schwierig bis gar nicht von den Unternehmen durchführbar. Dass sie trotz teilweise erschwerter Bedingungen aktiv werden müssen ist inzwischen in der Wirtschaft angekommen.

Unter dem Stichwort Corporate Social Responsibility (CSR) machen sich Unternehmen daher seit geraumer Zeit Gedanken über ihre Verantwortung. Aus gutem (wirtschaftlichen) Grund. Probleme in der Lieferkette treffen immer auch verbundene Unternehmen und die möglichen Imageschäden bringen immer Markenschäden mit sich, die sich auf den Umsatz auswirken. Wie komplex und rechtlich schwierig es sein kann die Wertschöpfung zu überwachen und möglichen Problemen auf den Grund zu gehen, zeigt Barbara Achermann in ihrem Artikel für DIE ZEIT.

Die Wochenzeitung berichtet von einem Unternehmen aus der Metall-, Elektro- und Maschinenindustrie, das versucht hat seinen Aluminiumlieferanten zu durchleuchten und das dabei an Grenzen stiess. Es war ihm nicht möglich zu klären, woher sein Lieferant das Bauxit bezieht, aus dem das Aluminium herstellt wird. „Das sei deren Geschäftsgeheimnis,“ schreibt die Journalistin in ihrem Artikel.
Keine Frage, die Unternehmen würden es sich dennoch zu einfach machen, wenn sie sich hier der Verantwortung nicht stellen. Sie könnten zum Beispiel eine Überwachung durch neutrale und unabhängige Institutionen einfordern. Es gibt auch den Fall, dass Unternehmen die Probleme im eigenen Haus durch Auslagerung an externe Dienstleister versuchen loszuwerden, um die Verantwortung abzugeben. Es gibt daher genug Argumente die Verantwortungsfrage zu stellen. Die Konzernverantwortungsinitiative braucht falsche Behauptungen gar nicht.

Hier unser Fazit: Desinformation beginnt dort, wo wie in diesem Fall Tatsachen behauptet werden, die sich als falsch herausstellen. Die Sorgfaltspflicht gilt immer, daher gibt es keine Ausreden für eklatante Fehler. Verliert das eigentliche Thema „Verantwortung der Industrie“ dadurch an Bedeutung? Natürlich nicht. Wie wirkmächtig der Vertrauensverlust jedoch tatsächlich ist, wird am Ende das Stimmvolk durch seine Wahl entscheiden.

Quellen:
https://www.luzernerzeitung.ch/wirtschaft/boese-glencore-die-schwarz-weiss-szenarios-rund-um-die-kvi-verkennen-die-realitaet-ld.1279557

https://www.zeit.de/2020/45/konzernverantwortung-initiative-schweiz-lieferketten-kontrolle-unternehmen/komplettansicht